10 Irrtümer über das Digitalisieren

Wenn ich mit Neugierigen über das Digitalisieren rede, treffe ich oft auf einen oder mehrere der folgenden Irrtümer:

Irrtum 1: Digitalisieren geht schnell

Viele stellen sich das Digitalisieren so vor, dass man mit ein, zwei Mausklicks eine Grafik in eine Stickdatei verwandelt. So schnell geht das nicht – jedenfalls nicht, wenn man eine qualitativ hochwertige Stickdatei erstellen möchte.

Eine Grafik gut zu digitalisieren dauert je nach Komplexität und Qualität der Grafik mehrere Stunden. Immer dabei ist auch ein Test-Stick – siehe dazu Irrtum Nummer 5.

Irrtum 2: Digitalisieren heißt, eine Grafik im Stickmaschinenformat abzuspeichern

Oft treffe ich auf die Vorstellung, dass Digitalisieren bedeuten würde, eine Grafik zu öffnen und als Stickdatei abzuspeichern. So funktioniert das nicht.

Gerade bei Grafiken, die als Bitmap vorliegen (also im Format *.jpg, *.gif, *.bmp usf), muss die Grafik “abdigitalisiert” werden – jede Fläche und jede Linie muss “nachgezeichnet werden.

Das braucht seine Zeit (s. Irrtum 1), führt aber zu hochwertigen Stickdateien.

Irrtum 3: Digitalisieren kann man in wenigen Minuten lernen

Wer davon ausgeht, dass man eine Grafik einfach nur in einem anderen Dateiformat abspeichert, um eine Stickdatei zu erhalten, glaubt natürlich auch, dass man das schnell lernen kann.

Da Digitalisieren mehr ist als nur neu abspeichern (s. Irrtum 2) kann man es auch nicht in wenigen Minuten lernen. Die meisten brauchen einige Wochen, um das Grundprinzip zu lernen. Fertig ist man aber nie – jeder Digitalisierer lernt immer noch dazu.

Irrtum 4: Digitalisieren kann man lernen, auch wenn man nichts vom Sticken versteht

Stickereien haben eine Art “Eigenleben” – durch die vielen Stiche und die vielen gespannten Fäden zieht sich beim Sticken das Trägergewebe (der Stoff, auf den gestickt wird) zusammen. Da hilft nix.

Deswegen verwendet man seit hunderten Jahren Stickrahmen und heutzutage Stickvlies. Dieses Zusammenziehen des Materials aber muss der Digitaliserer im Auge habe. Entscheidend ist nicht, dass die Datei auf dem Bildschirm gut ausschaut, sondern dass sie es gestickt tut. Daher muss man Digitalisierungen probesticken.

Um sauber digitalisieren zu können braucht man Wissen über den Stickprozess.

Irrtum 5: Digitalisieren kann man ohne Stickmaschine

Aus Irrtum Nummer 4 ergibt sich Irrtum Nummer 5: Digitalisierer müssen probesticken. Und das geht nur mit einer Stickmaschine.

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Irrtum 6: Digitalisieren kann man nur als Profi

Gerade gestern habe ich es wieder gehört: “Ich würde auch gerne digitalisieren, habe aber gelesen, dass ich mir diese Mühe besser erspare, da das Ergebnis nicht vielversprechend ist”.

Dieser Irrtum resultiert aus Irrtümern 1 und 3. Digitalisieren kann man nicht mal eben so in wenigen Minuten lernen. Es gibt auch keine Software, die das Digitalisieren quasi auf Knopfdruck erledigt.

Digitalisieren ist immer Handarbeit. Und ja, zu Beginn schafft man keine digitalen Kunstwerke. Wenn man aber Spaß am Digitalisieren hat und bereit ist, Zeit zu investieren, dann kann man auch als Hobby-Sticker wunderschöne Stickdateien erstellen – meine Kursteilnehmer beweisen das immer wieder.

Irrtum 7: Digitaliseren kann man auch ohne PC-Kenntnisse

Zum Digitalisieren verwendet man Digitaliserungs-Software, klar. Es genügt aber nicht, nur diese Software zu beherrschen.

Das Endergebnis einer Digitalisierung ist eine Stickdatei – und die muss gespeichert, wiedergefunden, verschickt, auf die Maschine übertragen werden, aus ihr müssen Grafiken und Garnübersichten erstellt werden, mehrere Dateien müssen gezippt werden usf. PC-Grundkenntnisse sind da Voraussetzung.

Irrtum 8: Um zu digitalisieren, muss man zeichnen können

Als Vorlage zum Digitalisieren benöigt man eine Grafik. Die kann man selber zeichnen, muss aber nicht. Viele gute Digitalisierer könenn nicht wirklich zeichnen.

Wenn man nicht selbst zeichnen kann, nimmt man einfach die Zeichnungen oder Fotos anderer als Vorlage.

(Wenn Sie nicht selbst zeichnen, müssen Sie immer das Urheberrecht beachten! Klären Sie stets, ob Sie die Grafik verwenden dürfen!)

Irrtum 9: Jedes Motiv ist zum Digitalisieren geeignet

Dieser Irrtum hier hängt zusammen mit Irrtum Nummer 4.
Je mehr Details ein Motiv hat, desto größer muss ich es sticken. Oder umgekehrt: Eine Stickdatei mit vielen Details kann ich nicht beliebig verkleinern – eine Stickdatei, die für den großen Rahmen digitalisiert ist, kann ich zwar technisch auf 2 x 2 cm verkleinern – sticken mag das dann aber keiner und erkennen kann man das Motiv dann auch nicht mehr.

Stickdateien erzeugen Stiche und die haben bestimmte Eigenschaften – darauf muss ich beim Digitalisieren Rücksicht nehmen.

Irrtum 10: Zum Digitalisieren braucht man ein Digitalisier-Tablett

Man kann mit einem Digitalisier-Tablett digitalisieren, man muss aber nicht. Es geht auch einfach mit der Maus.

 

In-the-hoop-Projekte – wie werden die eigentlich gestickt?

In-the-hoop-Projekte sind toll – finde ich auf jeden Fall. “In-the-hoop” bedeutet “alles im Rahmen” im Sinne von “alles wird im Rahmen fertig gestellt”.

Bei dieser Tasche wurde alles- wirklich alles in der Stickmaschine gemacht, ich habe keine einzige Naht auf der Nähmaschine genäht. Gewendet wurde das gute Stück dann durch die Reißverschluß-Öffnung.

Besonders gut gefällt mir hier, dass die Tasche mit Volumenvlies wattiert ist und die Stickmaschine auch gleich ein “Stippling” – das sind diese “Kritzel-Kratzel-Das-ist-das-Haus -vom-Nikolaus-in einem-Zug”-Steppnähte gearbeitet hat, die auf der Oberseite der Tasche gut zu erkennen sind.

Noch toller aber, als In-the-hoop -Proejekte zu sticken, ist es, sie selbst zu digitalisieren. Das ist das 3D-Vorstellungsvermögen wirklich gefragt…. 😉

Derzeit arbeite ich an Kurseinheiten zum Embird Studio Fortsetzungskurs – und da geht es um das Digitalisieren von In-the-hoop-Projekten. Folglich habe ich derzeit viel zum 3-D-Denken…

Für alle, die neugierig sind, wie so ein In-the-Hoop-Proejkte gestickt wird, hier mal eine kurze Demo eines einfachen In-the-hoop-Projetks – einem Stern, der wahlweise als Anhänger, als Nadelkissen oder als Taschenbaumler gearbeitet werden kann:

Sie brauchen einen Rahmen mit eingespanntem Stickvlies, Vorder- und Rückseite des Sterns oder des Herzens und ein Stück Kordel, Webband oder Satinband für den Aufhänger.


Zuerst wird die Markierungslinie auf das Vlies gestickt:

Dann wird die Vorderseite des Sterns aufgelegt – mit dem Gesicht nach oben, bei Filz ist das aber egal, der sieht auf beiden Seiten gleich aus.

Dann wird die Festheftlinie für die spätere Vorderseite des Sterns gestickt.

Dann wird -bei Bedarf- der Aufhänger aufgelegt:

WICHTIG: Die Schlaufe zeigt zur Rahmenmitte – nach dem Wenden ist sie dann aussen und dort, wo sie hingehört!
Die Schlaufe bleibt innerhalb des Sterns – sie ragt nicht über die Heftlinie! Täte sie das, würde sie eingenäht und käme beim Wenden nicht aus dem Stern heraus!

Über die erste Lage Filz und über die Schlaufe wird nun die zweite Lage Filz gelegt – die spätere Rückseite des Sterns.

Die beiden Filzteile werden zusammengehnäht – dabei bleibt eine Wendeöffnung offen.

Das Werkstück aus dem Rahmen nehmen und Vlies und Filz zurückschneiden.
Den Stern wenden und die Wendeöffnung von Hand oder mit der Nähmaschine schließen.
Vor dem Schließen ggf. noch mit Rohwolle oder Polyesterwatte ausstopfen.

Applikationen sticken – wie geht das?

Beim Sticken einer Applikation auf der Stickmaschine passiert Folgendes:

1) Die Stickmaschine stickt die Außenlinie.

Appliktionen mit der Stickmaschine

2) Der zu applizierende Stoff wird passgenau aufgelegt und von der Maschine festgeheftet.

Appliktionen mit der Stickmaschine

Appliktionen mit der Stickmaschine

Der Rahmen wird aus der Maschine genommen (das Stickwerk BLEIBT im Rahmen!), der überstehende Stoff wird abgeschnitten. Das geht am besten mit einer sogenannten Applikationsschere:

Appliktionen mit der Stickmaschine

Die hat einen Flügel am rechten Scherenblatt, das verhindert, daß man in den Stoff schneidet.

3) Über den Rand des applizierten Stoffes wird eine Satinstichkante gestickt.

Appliktionen mit der Stickmaschine

Jede Applikations-Stickdatei enthält daher die folgenden Elemente:
1) Die Außenlinie
2) Die Heftstiche
3) Die Satinstich-Kante

Jedes Element ist als eigene Farbe digitalisiert – damit die Maschine nach jedem Schritt anhält. Das bedeutet natürlich nicht, daß man nach jedem Stop auch die Farbe wechseln muß. Wenn man zu Beginn die Farbe einfädelt, mit der die Satinstichkante gestickt werden soll, spart man sich zwei Fadenwechsel…

Wie Sie Applikationen selbst digitalisieren, erkläre ich im Modul 5 des Embird Studio Grundkurses.

Heftrahmen – wozu brauche ich die? Und woher bekomme ich sie?

Derzeit besticke ich Badematten – die sich als als “zu fett” erweisen für den kleinen Rahmen – sie passen da einfach nicht rein. Das Problem löse ich mit einem so genannten Heftrahmen, den ich auch gleich als Freebie zum Download anbiete.

Wie funktioniert das Ganze?

Sticken Stickmaschine Heftrahmen Freebie Datei
In den Rahmen kommt Vlies – ganz einsam und allein und der Rahmen kommt ganz normal in die Maschine.

Sticken Stickmaschine Heftrahmen Freebie Datei
Den Avalon-Film habe ich mit Sprühzeitkleber auf die Badematte geklebt (natürlich genau an die Stelle, an die später die Stickerei soll… 😉 )
Die Matte mit dem Film drauf lege ich dann über den Rahmen und positioniere sie so, daß die Stickfläche genau über dem Rahmen zu liegen kommt.

Sticken Stickmaschine Heftrahmen Freebie Datei

Sticken Stickmaschine Heftrahmen Freebie Datei
Dann lade ich den Heftrahmen in die Maschine und sticke ihn – er stickt mit rie-sen-gros-sen Stichen einen Rahmen außen um meine 10 x 10 Stickfläche. Er heftet – daher der Name – die Matte am Vlies fest.

Sticken Stickmaschine Heftrahmen Freebie Datei

Dann lade ich mein eigentliches Stickmotiv und sticke es.

Sticken Stickmaschine Heftrahmen Freebie Datei

Nach dem Sticken, nehme ich Matte und Rahmen gemeinsam aus der Maschine und trenne die Heftstiche auf.
Ab jetzt geht’s weiter wie gewohnt – Fäden abschneiden, Vlies abreißen/abschneiden, Avalon Film auswaschen etc.

Den Heftrahmen für den 10 x 10 Rahmen gibt’s als Freebie hier.
Ein Heftrahmen 13 x 18 steht hier zum Download bereit.