Lace digitalisieren

Stick-Tutorials.de ist ein Ein-Frau-Unternehmen. Um es mit Bugs Bunny zu sagen “Außer meiner einer ist da keiner”.

Jeden Tag verbringe ich den größten Teil meiner Arbeitszeit damit, Kunden zu betreuen – Kursteilnehmer, aber auch Embird-Besteller (also Kunden, die keinen Kurs belegt haben und “nur” Embird kaufen) und natürlich auch “Noch-Nicht-Kunden”, die Fragen zu Embird oder zu meinen Kursen haben. Hatte ich anfänglich (2010) nur wenige Kunden und viel Zeit, um neue Kurse zu erarbeiten, so habe ich nun viele Kunden und nicht mehr sooo viel Zeit für neue Kurse.

In einen Kurs fließt viel, viel Vorarbeit. Ich bin immer wieder erstaunt (und ja, manchmal auch erschreckt…) wie “banal” dann manchmal das Ergebnis ausschaut – hinter 5 Minuten Video stecken manchmal Stunden an Vorbereitung, in meinem Modul 3 des Studio Grundurses stecken Wochen an Vorarbeit.

Manche Kunden wünschen sich dringend einen Lace-Kurs. Den will ich auch schreiben, aber da muss hier noch viel gestickt werden und ich muss erst noch viele Erfahrungen sammeln, bevor ich da fundiert was zu schreiben kann. Ich muss erst die Fehler machen, die Sie dann nach Durcharbeiten meines Kurses vermeiden können…. 😉

Hier in diesem Artikel möche ich zeigen, wie man das Wissen aus meinen bestehenden Kursen übertragen kann auf neue Themen:

Also, stellen wir uns mit Lehrer Bömmel mal janz dumm – wat is en Dampfmaschin?

Was macht eine Lace-Datei aus?

Eine Lace-Datei wird nicht auf Stoff oder Filz gestickt. Sondern auf ein Material, das nach dem Sticken ausgewaschen wird.

Daraus folgt:

Die Stickerei muss stabil sein.

Der Super-Gau bei einer Lacedatei wäre, dass das Stickergebnis buchstäblich “zerfällt”, wenn die Trägerfolie ausgewaschen wird (und ja, man kann “Lace” so digitalisieren, dass das passiert. DIESE Erfahrung habe ich schon gemacht….).

Wie kriegen wir eine Lacedatei stabil?

Schauen Sie sich gute Lace-Digitalisierungen an und lernen Sie aus ihnen!
Bevor Sie Lace digitalisieren, sollten Sie nach meiner Einschätzung Lace-Arbeiten verschiedener Digitalisierer sticken (lesen Sie hier mehr zum Thema “Digitalisieren lernen”). Diese Erfahrung ist Gold wert!

Gute Lace-Digitalisierungen haben im Idealfall genau 1 (in Worten: EINEN) Schneidbefehl. Ganz am Ende, wenn die Datei gestickt ist.
Jeder Schneidbefehl bedeutet Instabilität, weil ja das Garn durchgeschnitten und neu angesetzt wird. Das wollen wir vermeiden.

laceschneid

Und denken wir weiter: Wie kriegen wir das hin, dass es nur einen Schneidbefehl / möglichst wenige Schneidbefehle gibt?

Wir verbinden unsere Objekte miteinander.

Wie geht das? Das ist Grundlagenwissen, dass ich in den Modulen 1-3 meines Studio-Grundkurses vermittele (wenn Sie den Fliegenpilz wirklich durchgearbeitet haben, ihn also sowohl mit Sprung- als auch mit Laufstichen gestickt haben, dann sollten Sie das nötige Hintergrundwissen haben).

Helfen kann hier auch Modul 7 zum Thema Redwork – gutes Redwork wird auch “in einem Zug” gestickt, so ähnlich wie das Haus vom Nikolaus…. 😉

Worauf ist noch zu achten, um die Datei stabil zu bekommen? Die einzelnen Objekte müssen miteinander verbunden sein, quasi “ineinandergreifen”. Da sind wir dann wieder beim Zugausgleich und dem Umgang mit den Vektoren. Diesem Thema habe ich ein eigenes Modul gewidmet, weil es so wichtig ist.

Und wo kommen die Muster her? Und wie kommen die rein in die Stickdatei?

Auch für Lace gibt es grafische Vorlagen. Googlen Sie einfach mal danach! Oder schauen Sie bei den “üblichen Anbietern” für Grafikvorlagen – hier mal exemplarisch ein Link.

Dann gehts wieder mit Grundlagenwissen weiter – Sie erinnern sich, die sind Thema in den Modulen 1-3 meines Studio Grundkurses (ich komme mir schon vor wie Lehrer Bömmel “…wie ich schon in meinem Buche “Die Gerechtigkeit des Lehrers unter besonderer Berücksichtigung der höheren Lehranstalten…” 😉 )

Jede Stickdatei besteht aus verschiedenen Objekten und die haben Eigenschaften. Bei Lacedateien sind diese Eigenschaften oft Füllmuster. Und um die gehts in einerseits in den Grundlagenmodulen vom Studio Grundkurs (da zeige ich, wie man solche Muster einem Objekt zuweist) und im Forsetzungskurs “Füllflächen-Editor” (da lernen Sie dann, solche Füllmuster selbst zu erstellen).

Was hilft noch weiter?

Lacedateien setzen sich oft aus gleichen Elementen zusammen, die sich mehrfach wiederholen. Bei runden Lace-Arbeiten z.B. sind oft alle Viertel gleich.

lace2

Hier mal ein Beispiel mit 6 gleichen Segmenten.

Wer als Digitalisierer Zeit sparen will (und das wollen wir ja alle!), der digitalisiert natürlich nicht alle Segmente einzeln von Hand, sondern digitalisiert eins und vervielfältigt das dann entsprechend. Wie man Elemente vervielfältigt und vor allem anordnet, erkläre ich im Modul 7 meines Studio Grundkurses (unter dem Thema “Bordüren” ist das Thema). Mit Modul 7 decken Sie also unter dem “Lace-Gesichtspunkt” zwei Themen ab: Elemente verbinden/in einem Zug sticken und Elemente anordnen und vervielfältigen.

Grundsätzlich weiter hilft auch in vielen Situationen mein Kurs “Hintergrundwissen Digitalisieren” – da gehts um ganz grundsätzliche Themen beim Digitalisieren, unabhängig von irgendwelcher Sticksoftware – Kriterien für gute Digitalisierungen, die wichtigsten Grundprinzipien beim Sticken, Sticharten (und ihre Eigenarten…), strategische Planung von Stickdateien und vieles mehr.

Bitte entschuldigen Sie, wenn sich dieser Beitrag liest wie ein Werbeprospekt für meine Kurse – aber ich will deutlich machen, dass viele Inhalte eines Lacekurses auf Grundlagenwissen beruhen. Und das vermittelte ich bereits. In vielen Kursen.

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Meine Gedanken zum Thema “Digitalisieren lernen”

Seit mehr als 9 Jahren habe ich Tag für Tag mit Menschen zu tun, die das Digitalisieren von Stickdateien lernen oder lernen möchten. Dabei treffe ich auf sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie dieses Lernen abläuft.

“Digitalisieren ist schwer”

Viele Sticker sind der Meinung, dass Digitalisieren zu schwer sei, um es zu lernen. Dieser Meinung bin ich nicht!

Ich habe mittlerweile Hunderten von Teilnehmern gezeigt, wie man gescheit digitalisiert. Da waren alle Altersstufen dabei, beide Geschlechter, Menschen mit und ohne Behinderung, Menschen mit viel und mit wenig Vorkenntnissen.

Man muss Digitalisieren einmal gründlich von der Pike auf lernen, einmal das Prinzip wirklich verstehen. Dann ist Digitalisieren nicht schwer.

Und das ist mir sehr, sehr wichtig: Digitalisieren kann man lernen. Aber das geht nicht mal eben so. Man muss es lernen.

Dazu gehört es, sich einmal wirklich tief in das Grundprinzip einzuarbeiten. Man muss einmal wirklich verstanden haben, wie eine Stickmaschine “denkt” und wie sie funktioniert. Und wie Stickdateien funktionieren. Dann kann man anfangen, Erfahrungen zu sammeln – die sind gerade beim Digitalisieren unerlässlich.

Dieses Einarbeiten ins Grundprinzip kann nach meiner Einschätzung nicht ausgelassen und auch nicht irgendwie übersprungen oder verkürzt werden. Einmal muss man wirklich verstehen, wie es geht – was Objekte in einer Stickdatei sind, welche Eigenschaften sie haben können, was Sprung- und was Laufstiche sind, was Schneid- und was Sprungbefehle sind und wie man den Zugausgleich in den Griff bekommt. Das lernt man nicht an einem Abend. Aber man kann es lernen – meine Kursabsolventen zeigen es mir immer wieder.Und es macht mich regelmäßig stolz wie Bolle, wenn ich sehe, was sie so aus meinen Kursen mitnehmen (hier klicken für die Erfolgsgeschichten)- nicht nur an Stickdateien, sondern mittlerweile auch schon an Unternehmen.

Digitalisieren lernen 1

Genauso häufig treffe ich auf die genau gegenteilige Vorstellung, dass Digitalisieren ja ganz fix ginge, dass ich mal eben in einer kurzen Email erklären könne, wie man denn eine Grafik in eine Stickdatei umwandele.

“Digitalisieren geht mit wenigen Mausklicks”

Ja, diese Vorstellung treffe ich bei vielen Gesprächspartnern an. Und nein, gescheites Digitalisieren geht nicht mit wenigen Mausklicks!

Ja, es gibt Software, die “Auto-Digitalisieren” kann – Embird kann das auch. ABER keine Sticksoftware der Welt kann das können, was wir Menschen können: Nämlich die Erfahrung vom Stickprozess auf der Maschine verbinden mit dem Wissen darüber, was in einer Stickdatei geschieht. Qualitativ hochwertige Stickdateien entstehen nicht durch Auto-Digitalisierung! Da gehört ein denkender Mensch mit dazu!

Und da ich nicht beibringe, wie man ratzfatz schlechte Digitalisierungen erstellt, sondern zeige, wie man vernünftige, hochwertige Stickdateien erstellt, geht das eben nicht mit wenigen Mausklicks. Und ist auch nicht in einer Email erklärt. Sondern auf inzwischen mehreren Hundert DIN A4-Seiten und vielen Videos.

Es dauert etwas, bis man digitalisieren kann. Aber wie bei so vielen Dingen im Leben – eine gute Wissens-Grundlage ist immer eine solide Investition. Wer am Anfang gründlich lernt, spart sich spätere Umwege.

Meine Empfehlung an Digitalisier-Anfänger

  • Nehmen Sie sich Zeit!
    Starten Sie nicht heute meinen Studio Grundkurs, um schon nächste Woche erste Kundenaufträge zu übernehmen! Das wird so sehr wahrscheinlich nicht funktionieren.
    Kalkulieren Sie Zeit für den Lernprozess ein!
  • Lernen Sie zunächst zu sticken!
    Wer erfolgreich digitalisieren will, muss nicht nur seine Stickmaschine bedienen können, sondern auch erfahren haben (am eigenen Leib sozusagen!), was eine gute von einer schlechten Digitalisierung unterscheidet. Eigene Stickerfahrung ist unerlässlich zum Erstellen von guten Digitalisierungen!
    Sammeln Sie zunächst Erfahrungen mit Ihrer Maschine und mit Stickdateien. Lernen Sie durchs Sticken über die Qualität von Stickdateien. Und über deren Eigenschaften: Wieviele Farbwechsel sind optimal, wann nervt es? Wieviele Schneidbefehle sind gut, wie viele zu viel? Wo sind Sprungstiche gut, wo Laufstiche? Wie dicht sollte eine Stickdatei sein? Wieviele Stiche hat eine gute Stickdatei? Wann sind es zu wenige? Und wann zu viele?
  • Schaffen Sie sich eine solide Wissens-Grundlage!
    Lernen Sie Digitalisieren von der Pike auf. Machen Sie am Anfang auch die Übungen, bei denen Sie denken “Och, das ist jetzt nicht sooo wichtig; ich will lieber…. machen”.
    Der dusselige Fliegenpilz, mit dem ich Sie im Studio Grundkurs “quäle” hat seine Bewandtnis – er führt Sie einmal durch alle zentralen Probleme beim Digitalisieren. Bitte versuchen Sie nicht, diesen Weg abzukürzen. Nach meiner Erfahrung kommen Sie schneller zum Ziel, wenn Sie zunächst den Weg wählen, der länger ausschaut. Die Zeit, die Sie am Anfang investieren, holen Sie dann locker wieder auf. Weil Sie zweitaufwendige Fehler von vorneherein vermeiden.

 

 

 

 

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Grafik-Tabletts

Mein Video zu meinem Slate-PC löst immer wieder viele Leserkommentare aus.

Hier erst einmal das Video – ACHTUNG: Im Video ist kein “normales” Grafiktablett zu sehen, sondern ein Asus EeeSlate, ein Tablett-Computer, der unter Windows läuft. Bei Digitalisiertabletts sieht man auf dem Tablett selbst i.d.R. nichts – sofern es kein HighEnd-Tablett ist! Wer sich ein Highend-Tablett anschauen will, der kann das z.B. hier bei Amazon tun.

Und hier Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Braucht man ein Grafik-Tablett zum Digitalisieren?
Nein. Es geht sehr gut auch ohne.

Welches Tablett empfehlen Sie?
Ich bin rundum zufrieden mit meinem Bamboo Pen & Touch (Link zu Amazon). Ich hatte vorher ein Vorgängermodell, auch von Bamboo und war mit dem auch sehr zufrieden. Tabletts anderer Hersteller habe ich nie ausführlicher benutzt. Ein Video zu “meinem” Tablett gibt es hier zu sehen.

Hier sehen Sie mein Tablett:

Mein Tablet habe ich schon eingie Jahre; die aktuellen Wacom-Modelle finden Sie hier

Wenn Sie bereits mit einem der aktuellen Modelle Erfahrung haben – ich freue mich über einen Kommentar dazu! Und die anderen Leser auch 🙂 !

Wer braucht sowas?
Alle, die lieber mit einem Tablett als mit der Maus arbeiten – einfach, weil ihnen das leichter von der Hand geht oder zum Abwechseln zwischen beidem für alle, die lange und viel vorm Bildschirm sitzen.

Kann man das sofort einsetzen?
Ein bisschen umgewöhnen müssen sich die meisten schon. Aber viele finden das Arbeite damit prima.

Arbeitet das Tablett mit Embird zusammen?
Wenn das Tabellt mit Ihrem Rechner zusammenarbeitet, dann klappt das auch mit Embird.

Links zu älteren Artikeln zum Thema:

 

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Wie lernt man eigentlich Digitalisieren?

Mein Beitrag “10 Irrtümer über das Digitalisieren” hat viel Zuspruch erfahren – danke dafür!

Einige Leser haben mich aber auch gefragt, wie man denn Digitalisieren lernen würde, wenn Irrtum 3 besage, dass man es nicht in wenigen Minuten lernen könne.

In meinen Online-Kursen bemühe ich mich, das notwendige Grundwissen einerseits in kleinen Schritten und andererseits von der Pike auf zu vermitteln.

In kleinen Schritten bedeutet, dass es mit anz einfachen Übungen losgeht. Die erste Übung ist ein “Mustertuch”. Dabei geht es darum, dass Linien in verschiedenen Sticharten digitalisiert werden.

So sieht dann das Ergebnis aus:

In dieser ersten Übung werden 5 grundlgende Dinge gelernt:

  1. Das Digitalisieren von einzelnen Elementen
  2. Das Zuweisen einer Farbe
  3. Das Zuweisen einer Stichart
  4. Stopp-Befehle für die Stickmaschine einfügen
  5. Das Abspeichern im Format der eigenen Stickmaschine (also z.B. pes oder jef)

Von dieser ersten Übung geht es dann weiter zu anderen Themen, z.B. zu Flächen, zu Flächen mit Aussparungen, zum Verbinden von Flächen mit Sprung- oder mit Laufstichen usf.

“Von der Pike” auf bedeutet in meinen Kursen, dass ich zunächst das Digitalisieren “ohne Tricks” erkläre.  Erst wenn das Grundprinzip verstanden ist, zeige ich Tricks, mit denen man sich das Digitalisieren leichter machen kann.

Wenn Sie neugierig sind, wie lange es dauert, bis man digitalisieren kann – hier habe ich mehr dazu geschrieben.

Mehr zu meinem Digitaliserungs-Grundkurs erfahren Sie hier – Meinungen von Teilnehmern finden Sie, wenn Sie ganz nach unten scrollen.

 

 

10 Irrtümer über das Digitalisieren

Wenn ich mit Neugierigen über das Digitalisieren rede, treffe ich oft auf einen oder mehrere der folgenden Irrtümer:

Irrtum 1: Digitalisieren geht schnell

Viele stellen sich das Digitalisieren so vor, dass man mit ein, zwei Mausklicks eine Grafik in eine Stickdatei verwandelt. So schnell geht das nicht – jedenfalls nicht, wenn man eine qualitativ hochwertige Stickdatei erstellen möchte.

Eine Grafik gut zu digitalisieren dauert je nach Komplexität und Qualität der Grafik mehrere Stunden. Immer dabei ist auch ein Test-Stick – siehe dazu Irrtum Nummer 5.

Irrtum 2: Digitalisieren heißt, eine Grafik im Stickmaschinenformat abzuspeichern

Oft treffe ich auf die Vorstellung, dass Digitalisieren bedeuten würde, eine Grafik zu öffnen und als Stickdatei abzuspeichern. So funktioniert das nicht.

Gerade bei Grafiken, die als Bitmap vorliegen (also im Format *.jpg, *.gif, *.bmp usf), muss die Grafik “abdigitalisiert” werden – jede Fläche und jede Linie muss “nachgezeichnet werden.

Das braucht seine Zeit (s. Irrtum 1), führt aber zu hochwertigen Stickdateien.

Irrtum 3: Digitalisieren kann man in wenigen Minuten lernen

Wer davon ausgeht, dass man eine Grafik einfach nur in einem anderen Dateiformat abspeichert, um eine Stickdatei zu erhalten, glaubt natürlich auch, dass man das schnell lernen kann.

Da Digitalisieren mehr ist als nur neu abspeichern (s. Irrtum 2) kann man es auch nicht in wenigen Minuten lernen. Die meisten brauchen einige Wochen, um das Grundprinzip zu lernen. Fertig ist man aber nie – jeder Digitalisierer lernt immer noch dazu.

Irrtum 4: Digitalisieren kann man lernen, auch wenn man nichts vom Sticken versteht

Stickereien haben eine Art “Eigenleben” – durch die vielen Stiche und die vielen gespannten Fäden zieht sich beim Sticken das Trägergewebe (der Stoff, auf den gestickt wird) zusammen. Da hilft nix.

Deswegen verwendet man seit hunderten Jahren Stickrahmen und heutzutage Stickvlies. Dieses Zusammenziehen des Materials aber muss der Digitaliserer im Auge habe. Entscheidend ist nicht, dass die Datei auf dem Bildschirm gut ausschaut, sondern dass sie es gestickt tut. Daher muss man Digitalisierungen probesticken.

Um sauber digitalisieren zu können braucht man Wissen über den Stickprozess.

Irrtum 5: Digitalisieren kann man ohne Stickmaschine

Aus Irrtum Nummer 4 ergibt sich Irrtum Nummer 5: Digitalisierer müssen probesticken. Und das geht nur mit einer Stickmaschine.

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Irrtum 6: Digitalisieren kann man nur als Profi

Gerade gestern habe ich es wieder gehört: “Ich würde auch gerne digitalisieren, habe aber gelesen, dass ich mir diese Mühe besser erspare, da das Ergebnis nicht vielversprechend ist”.

Dieser Irrtum resultiert aus Irrtümern 1 und 3. Digitalisieren kann man nicht mal eben so in wenigen Minuten lernen. Es gibt auch keine Software, die das Digitalisieren quasi auf Knopfdruck erledigt.

Digitalisieren ist immer Handarbeit. Und ja, zu Beginn schafft man keine digitalen Kunstwerke. Wenn man aber Spaß am Digitalisieren hat und bereit ist, Zeit zu investieren, dann kann man auch als Hobby-Sticker wunderschöne Stickdateien erstellen – meine Kursteilnehmer beweisen das immer wieder.

Irrtum 7: Digitaliseren kann man auch ohne PC-Kenntnisse

Zum Digitalisieren verwendet man Digitaliserungs-Software, klar. Es genügt aber nicht, nur diese Software zu beherrschen.

Das Endergebnis einer Digitalisierung ist eine Stickdatei – und die muss gespeichert, wiedergefunden, verschickt, auf die Maschine übertragen werden, aus ihr müssen Grafiken und Garnübersichten erstellt werden, mehrere Dateien müssen gezippt werden usf. PC-Grundkenntnisse sind da Voraussetzung.

Irrtum 8: Um zu digitalisieren, muss man zeichnen können

Als Vorlage zum Digitalisieren benöigt man eine Grafik. Die kann man selber zeichnen, muss aber nicht. Viele gute Digitalisierer könenn nicht wirklich zeichnen.

Wenn man nicht selbst zeichnen kann, nimmt man einfach die Zeichnungen oder Fotos anderer als Vorlage.

(Wenn Sie nicht selbst zeichnen, müssen Sie immer das Urheberrecht beachten! Klären Sie stets, ob Sie die Grafik verwenden dürfen!)

Irrtum 9: Jedes Motiv ist zum Digitalisieren geeignet

Dieser Irrtum hier hängt zusammen mit Irrtum Nummer 4.
Je mehr Details ein Motiv hat, desto größer muss ich es sticken. Oder umgekehrt: Eine Stickdatei mit vielen Details kann ich nicht beliebig verkleinern – eine Stickdatei, die für den großen Rahmen digitalisiert ist, kann ich zwar technisch auf 2 x 2 cm verkleinern – sticken mag das dann aber keiner und erkennen kann man das Motiv dann auch nicht mehr.

Stickdateien erzeugen Stiche und die haben bestimmte Eigenschaften – darauf muss ich beim Digitalisieren Rücksicht nehmen.

Irrtum 10: Zum Digitalisieren braucht man ein Digitalisier-Tablett

Man kann mit einem Digitalisier-Tablett digitalisieren, man muss aber nicht. Es geht auch einfach mit der Maus.

 

In-the-hoop-Projekte – wie werden die eigentlich gestickt?

In-the-hoop-Projekte sind toll – finde ich auf jeden Fall. “In-the-hoop” bedeutet “alles im Rahmen” im Sinne von “alles wird im Rahmen fertig gestellt”.

Bei dieser Tasche wurde alles- wirklich alles in der Stickmaschine gemacht, ich habe keine einzige Naht auf der Nähmaschine genäht. Gewendet wurde das gute Stück dann durch die Reißverschluß-Öffnung.

Besonders gut gefällt mir hier, dass die Tasche mit Volumenvlies wattiert ist und die Stickmaschine auch gleich ein “Stippling” – das sind diese “Kritzel-Kratzel-Das-ist-das-Haus -vom-Nikolaus-in einem-Zug”-Steppnähte gearbeitet hat, die auf der Oberseite der Tasche gut zu erkennen sind.

Noch toller aber, als In-the-hoop -Proejekte zu sticken, ist es, sie selbst zu digitalisieren. Das ist das 3D-Vorstellungsvermögen wirklich gefragt…. 😉

Derzeit arbeite ich an Kurseinheiten zum Embird Studio Fortsetzungskurs – und da geht es um das Digitalisieren von In-the-hoop-Projekten. Folglich habe ich derzeit viel zum 3-D-Denken…

Für alle, die neugierig sind, wie so ein In-the-Hoop-Proejkte gestickt wird, hier mal eine kurze Demo eines einfachen In-the-hoop-Projetks – einem Stern, der wahlweise als Anhänger, als Nadelkissen oder als Taschenbaumler gearbeitet werden kann:

Sie brauchen einen Rahmen mit eingespanntem Stickvlies, Vorder- und Rückseite des Sterns oder des Herzens und ein Stück Kordel, Webband oder Satinband für den Aufhänger.


Zuerst wird die Markierungslinie auf das Vlies gestickt:

Dann wird die Vorderseite des Sterns aufgelegt – mit dem Gesicht nach oben, bei Filz ist das aber egal, der sieht auf beiden Seiten gleich aus.

Dann wird die Festheftlinie für die spätere Vorderseite des Sterns gestickt.

Dann wird -bei Bedarf- der Aufhänger aufgelegt:

WICHTIG: Die Schlaufe zeigt zur Rahmenmitte – nach dem Wenden ist sie dann aussen und dort, wo sie hingehört!
Die Schlaufe bleibt innerhalb des Sterns – sie ragt nicht über die Heftlinie! Täte sie das, würde sie eingenäht und käme beim Wenden nicht aus dem Stern heraus!

Über die erste Lage Filz und über die Schlaufe wird nun die zweite Lage Filz gelegt – die spätere Rückseite des Sterns.

Die beiden Filzteile werden zusammengehnäht – dabei bleibt eine Wendeöffnung offen.

Das Werkstück aus dem Rahmen nehmen und Vlies und Filz zurückschneiden.
Den Stern wenden und die Wendeöffnung von Hand oder mit der Nähmaschine schließen.
Vor dem Schließen ggf. noch mit Rohwolle oder Polyesterwatte ausstopfen.